Kurt Birtel   Die Hubertushütte in Bierfeld


Kurt Birtel Angaben zum Autor:

Kurt Birtel geb.1957,
aufgewachsen in Bierfeld bei Nonnweiler,
studierte Maschinenbau in Kaiserslautern.
Lebt heute in Homburg/ Saar.

Derzeit arbeitet H. Birtel an einem Buch
über die Hubertushütte in Bierfeld.

Mail an Autor: kurt@birtel.de


Vorab erhalten Sie hier einen kleinen chronologischen Überblick über die Geschichte der Hubertushütte. (Entwurf)

Unterstützt durch die Gemeinde Nonnweiler und die Neue Arbeit Saar wird die Schmelze der Hubertushütte derzeit freigelegt und der Öffentlichkeit zur Besichtigung zugänglich gemacht.

Im Frühjahr 98 werden die Ausgrabungen fortgesetzt. Der Hochofen ist genau lokalisiert und vermutlich relativ gut erhalten.

Schmelze Hubertushütte


Schwanzhammer, ähnliche Aus-
führung wie auf der Hubertushütte
Schmelze der Hubertushütte. Bild von ca.1810



Schwanzhammer


Chronik der Hubertushütte (Quellenangaben hier nicht enthalten)
01.09.1755 Leopold Choisy, Hüttenmeister zu Reimeldorf, Kanton Bouzonville,
der Erbauer der Kasteler Eisenschmelze (1754) erhielt von der
kurtrierischen Regierung die Erlaubnis zur Errichtung eines Eisen-
hammers in Bierfeld.
23.04.1757 Gesellschaftsvertrag zwischen Jacques Billeard (Notar in Nancy,
50%),Leopold Choisy (Eisenhüttenmeister in Kastel, 25%), und
Martin Ory (Commis in Bettingen, 25%) zum Betrieb der Kasteler
Hütte und des Bierfelder Hammers.
21.10.1758 Notarielle Bestätigung des Gesellschaftsvertrages von 1757: jedoch
Ory tritt seinen Anteil an Billeard ab: Billeard (75 %), Choisy (25%)
21.04.1759 Leopold Choisy erhielt aufgrund eines Gutachtens des Nunkircher
Hüttenmeisters Karl Gottbill vom Kurfürsten von Trier, Johann Philipp
von Walderdorf (1756 - 1788) die Erlaubnis seine Hammerschmiede
durch ein Schmelzwerk (Hochofen) zu ergänzen.
1763 Die Hütte kam unter Choisy nicht so recht in Gang, denn erst 1763
wurden die erste Arbeiter im Kirchenbuch von Nonnweiler ver-
zeichnet, zu dessen Pfarrei Bierfeld gehörte.
15.02.1764 L. Choisy verpachtete sein Hüttenwerk an Johann Lorenz Nacher aus
Issel und wendete sich nach Züsch, wo er 1765 den Eisenhammer
am Hammerplatz unter der Schmelze wieder neu erbaute, welcher
seit 1734 stillgelegen hatte..

Johann Lorenz Nacher war der Sohn von Johann Wilhelm Nacher,
Schultheiß zu Issel bei Schweich. Durch seine Ehe (1751) mit einer
Tochter des Münchweiler Hüttenmeisters Konrad Lehnen (1697 -
1759) und Anna Maria Gottbill, einer Schwester von Karl Gottbill II),
kam Nacher in das eisenschaffende Gewerbe.

J.L. Nacher wohnte mit seiner Familie in Trier, 1765 für kurze Zeit in
Nunkirchen, 1767 wieder in Trier oder schon im Herrenhaus bei der
Hubertushütte, wo seine erste Frau Johanna (ca. 1729 - 1769) am
31.08.1769 verstarb.

Da Bierfeld zur Pfarrei Nonnweiler gehörte benannte J.L. Nacher als
Ausdruck seiner Frömmigkeit sein Hüttenwerk nach dem Namens-
patron der Pfarrei Nonnweiler : St. Hubertus - "Hubertushütte".

Erst unter dem neuen Pächter kam das Werk allmählich in Betrieb,
nach der Anzahl der Arbeiter , die im Kirchenbuch genannt werden,
zu urteilen. Dazu gehörten vorallem Angehörige der Eisenschmelzer-
und Hammerschmiedesippe Detemple, die von Nunkirchen und
Nonnweiler herbeizogen.

Während die ersten Werktätigen nur kürzer oder länger verblieben
und eine starke Fluktuation zu verzeichnen war, lassen sich mehrere
der nachziehenden Facharbeiter auf Dauer bei dem Werk nieder,
was auf ziemlich stabile Arbeitsverhältnisse schließen läßt.
07.11.1765 Taufe einer Tochter von Johann Lorenz Nacher und Johanna Lehnen
in Nunkirchen (anläßlich dieser Taufe wird die Hubertushütte erst-
malig urkundlich benannt.)
1766 Abguß einer Takenplatte mit bürgerlichem Wappen und der Auf-
schrift "St. Hubertus 1766", welche sich um 1936 noch im Pfarrhaus
von Nonnweiler befand. Diese Takenplatte wurde während des
2. Weltkrieges, als das Pfarrhaus durch Bomben beschädigt und ver-
lassen war, gestohlen. Das Werk war also in der Lage Ofenplatten
und wohl auch Gußöfen abzugießen.
20.08.1772 Johann L. Nacher und seine 2. Ehefrau Antonetta Meyer aus Dinkels-
bühl erwerben die bislang von Leopold Choisy gepachtete Hütte
samt Gebäuden, Kohlescheuern, Häusern und Hämmern käuflich.
Damit verschwindet Choisy aus der Geschichte der Hochwälder
Eisenindustrie. Es wird berichtet, er sei verarmt in Mertesdorf bei
Trier gestorben.

J.Nacher vergrößert das Werk durch Erbauung eines Formhammers,
einem herrschaftlichen Wohnhauses, Arbeiterwohnungen und einer
Kapelle.

Diese Kapelle wurde unter Pastor Heinrich Hein (1771 - 1795)
erbaut und stand nicht an der gleichen Stelle wie die später,
vermutlich ca. 1836 im Todesjahr des letzten Gottbill - Carl Richard
(1763 - 1836) zusammen mit der Kapelle in Mariahütte, erbauten
Kapelle.

ca.300 Meter Luftlinie talabwärts, auf dem Bann Oberlöstern, erbaute
er einen weiteren Hammer "Antoniushammer"
21.01.1786 Johann L. Nacher starb am 21.1.1786 in Bierfeld. Seine drei Söhne
Johann Heinrich (1755-1805), Damian Joseph (1761- ) und Peter
Joseph (1764 - 1804) führten das Werk unter der Oberleitung des
ältesten Sohnes Heinrich weiter und vergrößerten das Werk 1794/95
durch Ankauf weiterer Ländereien.
um 1800 Laut einer Aufstellung der Schmelzen und Hämmer im Saar-
Departement vom 7.7.1803 bestand die Hubertushütte aus:

1 Schmelze (Hochofen)
1 Frischfeuer
1 Gießerei

Um 1800 waren 82 Arbeiter auf der Hütte tätig, im Vergleich dazu,
Bierfeld hatte seinerzeit 261 Einwohner.) Produziert wurden Guß-
eisen, Schmiedeeisen, sowie Klein- und Feineisen. Das im Hoch-
ofen gewonnen Eisen wurde sofort zu Gußwaren verarbeitet. Sollte
das Eisen schmied- und schweißbar werden, mußte im sogenannten
Frischfeuer der hohe Kohlenstoffanteil verbrannt werden.
Neben Guß erzeugnissen lieferte die Hubertushütte schmiedbares
Eisen für die Nagelschmieden der Region. Die Stummsche Hütte in
Abentheuer und die Mariahütte wurden von Bierfeld mit Roheisen
beliefert.
1808 H. Nacher ist zwar weiterhin der Besitzer der Hubertushütte, die
Erben von Karl Gottbill haben sie jedoch gepachtet.

Die Hubertushütte besteht aus 1 Hochofen, 4 Frischfeuern, wovon 2
wegen fehlendem Holz ausser Betrieb sind. 2 große Hämmer.

Holzverbrauch : 11520 Steher, 6036 m3 oder kg Holzkohle, 1000
Miriagramm

Steinkohle (= 10 to, 1 Miriagramm = 10000 gr.). 181 to Roheisen,
113,67 to Grobeisen, gehämmert oder geschnitten (gespalten).

172 Arbeiter sind in den Werkstätten und in der Köhlerei beschäftigt.

Der Hochofen ist 8 bis 9 Monate im Jahr in Betrieb. 4/5 der Fabri-
kation ist geformtes Grobeisen, der Rest gehämmertes Eisen.

Absatzmärkte: Paris, Metz, Köln und die Umgebung Schmiede.

Erze: gleiche Vorkommen wie Mariahütte, sowie Bierfeld, Brauns-
hausen und Kastel. Ausdehnung des ausgebauten Gebietes beträgt
10 ar. Die geförderte Erzmenge beträgt 145 to, 38 Arbeiter sind mit
der Förderung der Erze beschäftigt.
1811 Die Hubertushütte soll ca. 200 Arbeiter beschäftigt haben. (Diese
Zahl scheint jedoch überhöht zu sein.)
vor 1819 Die Erben von J.L. Nacher verkauften die Hubertushütte an die Gebrüder Gottbill zu Mariahütte.("Gottbill sel. Erben.") Diese legten nun die Schmelze bei Nunkirchen, ihr Stammwerk, endgültig still und deckten ihren Roheisenbedarf teilweise aus der wegen ihrer Nähe günstiger gelegenen Hubertushütte, deren Leitung Joseph Gottbill (1766 - 1833) übernahm.

Da von den sieben direkten Nachkommen Dr. Karl Gottbills III (1731 - 1799), bis auf den Sohn Sebastian Joseph (1775 - 1803) alle ledig blieben,fiel das gesamte Vermögen der Familie Gotbill später an die einzige Tochter Susanna (1802 - 1871) des Sebastian Joseph, die 1826 den aus Sachsen stammenden preußischen Oberforstmeister Alexander von Beulwitz (1783 - 1854) in Trier heiratete, so daß die Eisenwerke der Familie Gottbill, (somit auch die Hubertushütte) nach dem Tode des letzten Namensträgers Carl Richard Gottbill (1763 - 1836) im Jahre 1836 endgültig in den Besitz der Familie von Beulwitz übergingen.
1831 1831 erfolgte von der königlichen Regierung in Trier eine Bestands-
aufnahme. Das Werk bestand, wie oben erwähnt, aus 2 Hauptteilen:

1. Hubertushütte

- 1 Schmelze, bestehend aus 1 Hochofen mit 2 Spitzbälgen,
  1 Schlackenpoche mit 3 Stempeln und 1 Erzröstofen. Die Bälge
  und Pochstempel wurden durch 2 Wasserräder betrieben.

- 1 Hammerwerk, bestehend aus 1 Groß- und Kleinhammer an einer
  Welle, 1 Frischfeuer und 2 Spitzbälge sowie 1 Wärmfeuer mit
  einem Doppelbalg. Dieser Hammer und die Bälge wurden durch
  3 Wasserräder betrieben, das Feuer des Kleinhammers war kalt.

- 1 Mahlmühle, deren Werke gänzlich fehlten. Hier wurden Raps, Lein
  und Bucheckern zu Öl geschlagen. - 1 Sägemühle mit einem
  Wasserrad.

- Mehrere Schuppen und Wohngebäude.

2. Antoniushammer (Neuhammer genannt)

- 1 Hammerwerk und einem Holzkohleschuppen, dem Hammerwerk
  fehlen alle Betriebsvorrichtungen wie 1 Großhammer mit 1
  Frischfeuer und 2 oberschlägigen Wasserrädern.
26.01.1844 Gottbill sel. Erben erhalten die Genehmigung, im Hochofengebäude einen Kupolofen mit 3 Zylindergebläse zu erbauen.

"Das zum Umschmelzen erforderliche Roheisen soll von den Hochöfen der St.Hubertushütte und Mariahütte bezogen und die erforderliche Koks sollen von der Königsgrube mit ca. 80 Fuder jährlich entnommen werden."
1852 Eine umfangreiche Landvermessung wurde im Jahre 1852 in der Gemarkung Bierfeld durchgeführt. Die von Comes und Book erstellten Lagepläne geben einen guten Überblick über die Örtlichkeiten der Hubertushütte.(siehe Lageplan von 1852 in der Anlage)
1863 In der Bierfelder Hubertushütte wird noch gearbeitet.
vor 1868 Nachdem sich die einstigen Standortvorteile - räumliche Nähe zu "Erzen,Holzkohle und Wasserkraft" in Standortnachteile umwandelten, war die Hubertushütte nicht mehr konkurrenzfähig und wurde stillgelegt. Kostengünstigerer Steinkohlekoks verdrängte die Holzkohle. Die Dampfmaschine war leistungsfähiger und witterungsunabhängiger als die Wasserräder. Die Winderhitzer senkten den Verbrauch von Brennmaterial. Die einheimischen Erze waren eh nur schwach eisenhaltig. Die Einrichtungen wurden verschrottet und die Gebäude verfielen. Ein Teil der Beschäftigten der Hubertushütte wanderten nach Amerika aus. Die aufstrebenden Großstädte Nordamerikas wie Chicago, Pittsburgh, Buffalo u.a. zogen mit ihren Fabriken viele Arbeiter an. Die Hütte wurde nach und nach stillgelegt, die einzelnen Betriebe wurden nach Mariahütte verlagert.
ca.1869 ca.1869 brannte der letzte Holzkohlenmeiler in unserer Gegend.
1871 Auf der Hubertushütte wohnen noch 6 Einwohner in 2 Häusern,
in den 70er Jahren wurden die Wohnhäuser abgerissen.
1890 Die letzten Bewohner verlassen das Gelände der Hubertushütte


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